Petition: Absenkung des Zugangs-Bildungsniveaus in Pflegeberufen

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Aug 142009
 

Die schon erwähnte Petition, von Franz Wagner, gegen den Abbau von Qualität in der Kranken- und Altenpflege steht nun zur Zeichnung online.

Text der Petition:
„Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass in der kommenden Legislaturperiode im Rahmen einer raschen, zukunftsfesten und an der europäischen Normalität orientierten Pflegebildungsreform die am 18. Juni 2009 mit der 15. Novelle zum AMG vorgenommenen Änderung des Krankenpflege- und Altenpflegegesetzes (Absenkung des Zugangs-Bildungsniveaus auf den Hauptschulabschluss) kritisch überprüft und aufgehoben wird.“

Bei einer Zahl von mindestens 50.000 Mitunterzeichnern in den ersten drei Wochen (bis spätestens 29. August) muss der Petitionsausschuss das Anliegen öffentlich beraten und ggfs. Konsequenzen daraus ziehen. Der Hauptpetendent wird dazu eingeladen und erhält Rederecht.

Dazu müssen Sie sich vorab registrieren (siehe Petitions-Webseite oben links), damit sichergestellt werden kann, dass jeder Mitzeichner nur eine Stimme abgibt. Wir freuen uns, wenn Sie diese Nachricht an Andere weiterleiten, damit wir unser Ziel bis Ende August erreichen können.

Zur ePetition gegen das Absenken des Bildungsniveaus in der Pflege

Pflegeausbildung

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Jul 312009
 

Auch wenn die große Koalition die Absenkung der Zugangsvoraussetzungen nun durchgesetzt hat und somit bewiesen hat, wie wenig Sachverstand und wie viel Ignoranz gegenüber Fachgremien in der aktuellen Politik regieren, ist das Thema damit noch lange nicht beendet.

Die Pflegepolitische Sprecherin der Grünen Elisabeth Scharfenberg hat zusammen mit anderen Abgeordneten eine kleine Anfrage zu diesem Thema an die Bundesregierung gestellt:

  • Pressemitteilung zur „Kleinen Anfrage“
  • Kleine Anfrage „Stand und Zukunft der Ausbildung in den Pflegeberufen“
  • Antwort des Staatssekretärs im BMG Theo Schröder

Außerdem hat Franz Wagner eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht, im Rahmen einer Reform der Pflegeausbildung den Zugang mit Hauptschulabschluss wieder abzuschaffen.

  • Zur Petition

vorherige BAPP-Blog-Beiträge zum Thema:

Absenkung des Bildungsniveaus in der Krankenpflege

Politik macht ernst und ignoriert Pflege

Jun 202009
 

„Der Bundestag hat am 18.6.2009 einen Änderungsantrag beschlossen, mit dem das Alten- und Krankenpflegegesetz geändert werden, um den Zugang mit 10 Jahren allgemeinbildender Schule zu ermöglichen. De facto bedeutet dies eine Absenkung der Zugangsvoraussetzungen, da jetzt auch nach 10 Jahren Hauptschule der Zugang möglich ist. Diese Regelung greift nur in vier Bundesländern, da es nur dort zehnjährige Hauptschulabschlüsse gibt, die nicht den mittleren Bildungsabschluss beinhalten! Sie wurde vehement von allen Experten in der Pflegeszene abgelehnt. Lediglich Arbeitgeberverbände und Verdi haben – aus durchsichtigen Gründen – diese Änderung begrüßt.“ (Zitat DBfK-Newsletter)

http://www.elisabeth-scharfenberg.de/…

http://www.dbfk.de/pressemitteilungen/…

http://www.deutscher-pflegerat.de/…

Mai 282009
 

Aktuell vom Hauptstadtkongress 2009 aus Berlin:

Noch in der Eröffnungsbefragung äußerte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, auf das Thema Pflegeausbildung mit Hauptschulabschluss angesprochen, sie ist für eine Zulassung nach 10 Jahren allgemeinbildender Schule. Sie vermied den Begriff Hauptschulabschluss, obwohl dieser von der befragenden ZDF-Journalistin Karin Vanis vorgegeben wurde. Außerdem sagte Fr. Schmidt, in diesem Rahmen, nichts von einer nur 9-jährigen Schulzeit. Man konnte fast den Eindruck haben, in den Denkstrukturen der Gesundheitsministerin sei ein Anflug von Vernunft eingekehrt.

Um 14:00 Uhr erfuhr die Öffentlichkeit von MdB Willi Zylajew, dass der Gesundheitsausschuss unmittelbar zuvor, die 9-jährige Schulzeit als Zulassungsoption für die Pflegeausbildung mit aufgenommen hatte.

Marie-Luise Müller (Präsidentin des DPR) erklärte sichtlich bewegt, dass der Deutsche Pflegerat noch am Vorabend, eine Kompromiss-Position im BMG eingereicht hatte, um ein Entgegenkommen zu sigalisieren. Wiederum wurde aber die Meinung der Pflege, wie schon vorher die von Verbänden und DIP, völlig ignoriert und eine politisch motivierte Entscheidung, einfach durchgedrückt.

Letztlich macht die Politik deutlich, wie wenig ihr an den großspurig formulierten Zusagen, die Pflege fördern zu wollen, wirklich liegt.

Ein Teilnehmer des Hauptstadtkongresses gab zu bedenken, dass 1,2 Millionen Pflegende auch 1,2 Millionen Wähler sind, darauf sollten wir die Politiker mal aufmerksam machen. Es gibt Politiker und Parteien, die die Interessen der Pflege ernster nehmen und sich auch entsprechend positionieren.

Aktualisierung 28.05.09, 11:00 Uhr:

Wie aus Reihen des DBfK und DPR bekannt wurde, war die gestrige Aussage von Hr. Zylajew (MdB), wenn nicht falsch doch zumindest stark verkürzt. So bezieht sich nach jetzigem Kenntnisstand die 9-jährige Schulbildung auf die Krankenpflegehilfe und ist nur mit dieser als Zugangsmöglichkeit für die Krankenpflege zu sehen. Diese Möglichkeit besteht auch heute schon und steht in keinem Widerspruch zu den Interessen der Pflege.

Das heißt nicht, dass das unsägliche Vorhaben der Großen Koalition vom Tisch wäre. Es ist aber auch nicht so, dass die 9-jährige Schulbildung, als Zulassungskriterium für die Krankenpflege festgeschrieben ist.

Der Deutsche Pflegerat wird auf Basis des vorliegenden Kompromiss-Papieres, weiter daran arbeiten, die Politik von diesem Fehler abzuhalten.

Dieser Sachverhalt wurde mir telefonisch auch vom Bundesministerium für Gesundheit bestätigt. Ebenso die grundsätzliche Offenheit für den Vorschlag des DPR.

– Volker Haßlinger –

Die Vorgeschichte mit verschiedenen Stellungnahmen

Mai 122009
 

Die Fraktionen der großen Koalition beabsichtigen den Zugang zur Krankenpflegeausbildung, von einem mittleren Bildungsabschluss, auf den Hauptschulabschluss zu senken. Die wörtliche Begründung für diesen Änderungsantrag lautet: „Damit wird der Zugang zu diesen Berufen für mehr Interessentinnen und Interessenten als bisher geöffnet, um frühzeitig vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung einen Mangel an Beschäftigten im Gesundheitswesen und insbesondere im Bereich der Pflege zu vermeiden.“

Unabhängig davon, dass natürlich durch Absenkung der Zugangsvoraussetzungen, eine quantitative Steigerung der potentiellen InteressentInnen möglich ist, muss schon gefragt werden, welch katastrophales Signal dieser Schritt für die Qualität der zukünftigen Pflegeberufe bedeutet.

Nebenbei verstößt diese Maßnahme gegen die Absicht europäische Ausbildungen in ihrer Wertigkeit anzugleichen. Deutschland, jetzt schon Schlusslicht bzgl. der Pflegeausbildung, ginge damit in die entgegengesetzte Richtung, wie die anderen europäischen Staaten. Wenn die Pflegeausbildung nicht sowieso schon auf akademischen Niveau stattfindet, wurde durch den Bologna-Prozess die entsprechende Entwicklung eingeleitet.

Was aber bedeutet das alles für die Zukunft der Pflege auf nationaler Ebene? Schon jetzt ist die Berufszufriedenheit von Pflegefachpersonen miserabel wie selten zuvor. Aufgrund extrem schlechter Rahmenbedingungen verlassen viele Pflegende schon nach wenigen Jahren wieder ihren Beruf. Diese Realität und nicht ein Mangel an BewerberInnen ist Ursache für den nun erneut anstehenden Pflegenotstand.

Warum kommt denn niemand auf die Idee wegen des ebenfalls zu erwartenden Ärztemangels, die Voraussetzungen für das Medizinstudium entsprechend zu senken?

Die bisher von der Politik, insbesondere der Bundesgesundheitsministerin angekündigten Absichten, die Rahmenbedingungen der deutschen Pflege zu verbessern und ihr somit den Rücken zu stärken, werden hiermit mehr als nur unglaubwürdig. Es drängt sich der Verdacht auf, dass wieder einmal durch unbedachten Aktionismus, kurzfristige wahlrelevante Effekte erreicht werden sollen.

Scheinbar merken die zuständigen PolitikerInnen der beiden Fraktionen nicht, dass sie mit dieser Änderung nicht nur die Pflegeberufe in Deutschland, sondern auch ihre eigene Fachlichkeit disqualifizieren. Dieses Vorgehen ist aberwitzig und beschämend, so wird es zukünftig keine fachgerechte und anspruchsvolle Pflege mehr geben!

Update 09.05.09:
Nun behauptet unsere Gesundheitsministerin auch noch, die Hauptschule würde diskriminiert, wenn sich Fachleute, Pflegende und Wissenschaftler, gegen diese neue Schnapsidee wenden.
Letztlich beweist sie damit wieder einmal, wie wenig Ahnung sie doch in vielen Details ihres „Fachgebietes“ hat.

Auch die Aussage „Deutsche Pflegekräfte haben keine Schwierigkeiten, in anderen Ländern eine Arbeit zu finden“ stimmt eben nur teilweise. In Wahrheit haben deutsche Pflegekräfte immer mehr Probleme beim Wechsel in andere Länder. Oftmals müssen wenigstens einige Nachqualifikationen erfolgen. Da in vielen europäischen Ländern der Bologna-Prozess schon weiter gediehen ist, wird dieses Problem eher noch zunehmen.

– Volker Haßlinger

Stellungnahmen zum Thema von:

Deutscher Pflegerat |  DBfK |  BFLK |  VPU |  ADS |  BA

Brief des DPR an Ministerin Ulla Schmidt

Forscher des DIP warnen vor Bildungsabstieg in der Pflege (04.05.09)

Artikel in „Der Tagesspiegel“ (06.05.09)

Position Bündnis90/Grüne (07.05.09)

DIP: „Öffnung der Pflegeausbildung nicht notwendig“ (18.05.09)

Politik macht ernst und ignoriert Pflege (27.05.09)

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