Jul 272011
 

Die Barmer GEK macht auf eine Lücke zwischen Klinikaufenthalt und ambulanter Therapie bei psychischen Erkrankungen aufmerksam.

Immer mehr Menschen kommen wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus. Laut dem am 26. Juli in Berlin vorgestellten Barmer GEK Report Krankenhaus 2011 hat ihre Zahl in den letzten zwanzig Jahren um 129 Prozent zugenommen. Waren 1990 noch rund 3,7 von tausend Versicherten betroffen, so wurden 2010 bereits 8,5 gezählt. Noch schneller stieg die Zahl der Patienten, die speziell wegen Depressionen und anderer affektiver Störungen im Krankenhaus behandelt wurden. Hier beträgt das Plus seit dem Jahr 2000 rund 117 Prozent.

Der Anstieg der Behandlungstage wäre noch deutlicher ausgefallen, wenn nicht gleichzeitig die Verweildauer pro Fall merklich reduziert worden wäre. „Nirgendwo sonst sind individuelle Behandlungskonzepte und sektorenübergreifende Ansätze dringlicher als im Bereich der psychischen Erkrankungen.“

Für Patienten mit psychischen Störungen ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Krankenhausaufenthalts relativ hoch. Innerhalb der ersten zwei Jahre nach Entlassung werden 30 Prozent unter derselben psychischen Diagnose wieder eingewiesen, 39 Prozent wegen einer beliebigen anderen psychischen Erkrankung. Dabei wird ein Drittel dieser Patienten bereits in den ersten 30 Tagen wieder aufgenommen, knapp die Hälfte in den ersten drei Monaten.

Die Barmer GEK legt einen Wandel der Versorgungsstrukturen für eine stärkere ambulante therapeutische Begleitung nahe. Einige Modellprojekte mit regionalen Psychiatriebudgets hätten bereits gute Ergebnisse gebracht. Nicht die abrupte Entlassung, sondern die schrittweise Überleitung in eine ambulante Versorgung gebe den Patienten Rückhalt.

Quellen und weitere Infos:

„Ambulante Psychiatrie mit Budget-Verantwortung“

 Gesundheitspolitik, Psychiatrische Pflege, Termine  Kommentare deaktiviert für „Ambulante Psychiatrie mit Budget-Verantwortung“
Feb 102011
 

Der niedersächsische Weg als Prototyp einer psychiatrischen Versorgung auf Augenhöhe.

Die Integrierte Versorgung unter Budgetvorgaben ist für die ambulante Psychiatrie in Niedersachsen seit dem 1. Juli 2010 gesetzlich eingeführt. Nach neun Monaten scheint es sinnvoll, die bisher gemachten Erfahrungen auszutauschen und eine erste Bilanz zu ziehen. Insbesondere ist zu fragen, wo sich Probleme gezeigt haben und wie es um die Zufriedenheit der Nutzer und der Anbieter von psychiatrischen Versorgungsleistungen steht.

Das schließt einen Überblick über den Stand der Vertragsentwicklung zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den Versorgungsanbietern ebenso ein wie Erkenntnisse mit der Vertragsumsetzung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Selbstverständlich gehört dazu auch die Einordnung des niedersächsischen Vorgehens in den Kontext der Diskussion auf Europa- und Weltebene. Schließlich ist Ausschau zu halten nach notwendigen Verbesserungen und nach Wegen, um das erreichte Niveau der Versorgung psychisch Kranker trotz anhaltenden Kostendrucks zu halten. Dazu ist der Gedankenaustausch unter den verschiedenen Akteuren unabdingbar.

  • Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 30. März bis 1. April 2011 in Kooperation mit dem Landesfachbeirat für Psychiatrie in Niedersachsen

Quelle & weitere Infos: www.loccum.de